Supponierte Bombe statt Curry Suppe
Alles war vorbereitet. Koffer und Crewbag gepackt, die Planungsunterlagen im Intranet schon einmal grob überflogen und die Uniform schon knapp zur Hälfte angezogen, als das Telefon klingelte und im Display die ominöse Anzeige „Crew Dispo“ leuchtete. Hatte ich mich in der Zeit geirrt? War ich etwa zu spät dran?
Nein nichts der Gleichen. Ein Kollege war krank und es fehlte wieder einmal an A340 Copiloten. Also kam der Crew Disponent auf die Idee mich an Stelle des erkrankten Kollegen, statt wie geplant mit einer A330 nach Delhi, mit einer A340 nach Chicago zu schicken – wohl weil ich den Weg schon kannte und damit ich kontrollieren konnte ob die Trottoirs mittlerweile vom Schneematsch befreit wurden.
Ein kurzer Anflug von Hektik und schon waren die Sommerkleider in meinem Koffer durch nordamerika-konforme Winterklamotten ersetzt. Den Rest der Uniform angezogen, blieb noch eine Minute Zeit um meiner Frau einen kurzen Kuss zu gegeben, bevor ich Richtung Flughafen aufbrechen musste.
Die Planung verlief Problemlos, doch kaum hatte ich die Sicherheitskontrolle passiert, brach hinter mir operative Hektik aus. Offenbar hatten ein paar freundlich Kontrolleure von unserer hoch geschätzten Luftfahrtbehörde, zwecks Überprüfung des uniquen Sicherheitsdispositvs, eine supponierte Bombe in die Crew-Sicherheitskontrolle eingeschleust, was dazu führte, dass die gesamte Umgebung evakuiert wurde und dass, während der grössten Stosszeit, für etwa 20 Minuten kein Besatzungsmitglied auf sein Flugzeug gelassen wurde. Keine Ahnung wie viele Verspätungen dadurch verursacht wurden, aber ich bin mir absolut sicher, dass alle Passagiere ebenso viel Verständnis für das perfekte Timing der netten Kontrolleure aufgebracht haben, wie die betroffenen Besatzungen, die danach das Beste gegeben haben um den angerichteten Schaden möglichst klein zu halten.
Die Flugroute nach Chicago war, wegen Gegenwinden bis 220 Knoten über dem Nordatlantik, für einmal recht ungewöhnlich. So flogen wir zuerst mal Richtung Delhi. Gestartet wurde nämlich Richtung Osten über den Bodensee nach Deutschland und Dänemark und danach ging es vorbei an Bergen in Norwegen, über die Shetland und Färöer Inseln nach Island und weiter über Grönland, Labrador und die grossen Seen nach Obama City. Trotz diesem Umweg war die Flugzeit mit 9 Stunden und 15 Minuten erstaunlich schnell und so konnte ich, trotz dem hektischen Start des Arbeitstages, das Flugzeug pünktlich in Chicago landen…


