Near Miss

Wer denkt, dass ich, als astronomisch interessierter Kopilot, heute Morgen mein Teleskop in Shanghai aufgeschlagen habe, um die längste Sonnenfinsternis dieses Jahrhunderts live mitzuerleben, der hat das astronomische Ausmass der Perfidität unseres Planungsroulettes gewaltig unterschätzt.

 

Just als ich es am wenigsten wollte, hat der Einsatzrechner mein Flehen nach einem Hong Kong Flug erhört und liess mich so das grosse Spektakel knapp verpassen. Der zweite Grund für die unerwartete Hong Kong Rotation dürfte der Taifun “Molave” gewesen sein, der wenige Stunden vor unserer geplanten Ankunft genau über Hong Kong hinweg fegte. Er erreichte auf der – in meinem Reiseführer mit acht Stufen beschriebenen – Taifun Warnskala die neunte von maximal zehn Stufen…

 

 

 

Sinniger Weise wurde uns ein Flugplan mit dem ebenfalls unter der Zugroute des Taifuns liegenden Guangzhou als Alternate präsentiert, was wir allerdings dankend ablehnten. Statt dessen planten wir mit genügen Treibstoff für 90 Minuten Warteschleifen über Hong Kong und der anschliessenden Möglichkeit entweder nach Taipeh oder Manila auszuweichen.

 

Glücklicherweise zog “Molave” schneller als vorhergesagt über Hong Kong hinweg und löste sich, sobald er über Festland war, relativ schnell in Wohlgefallen auf. So kam es, dass wir bei überraschend gutem Wetter, pünktlich und mit schon fast peinlich viel Sprit in den Tanks in Hong Kong landeten und ich bei bester Witterung meine Fotostudie über Hochhäuser und Rooftop Bars in asiatischen Grossstädten fortsetzen konnte:

 

 

 

 

 

Wieder zu Hause wurmte es mich heute Morgen dennoch, dass die grosse Sonnenfinsternis in Shanghai ohne mich stattfand und ich bastelte mir eine Fotomontage um mir vor Augen zu führen, was ich verpasst habe.

 

 

Erst danach setzte ich mich ans Internet und stellte fest, dass mein Frust unter der geschlossenen Wolkendecke Shanghais wohl noch viel grösser gewesen wäre…

 

WordPress Themes