Strapazen
Manche Leute denken das Pilotenleben komme permanenten Ferien gleich. Dem ist natürlich überhaupt nicht so. Manchmal artet die Arbeit und der anschliessende Aufenthalt sogar regelrecht in Strapazen aus.
In aktuellen Fall haben wir zum Beispiel schon im Briefing erfahren, dass wir die Landung in Sao Paulo unmöglich zur geplanten Zeit schaffen würden. Die Flugzeit war wieder einmal genau so lang wie die publizierte Reisedauer, womit uns exakt null Minuten fürs Rollen, das Umfliegen von Gewittern und das Warten wegen starkem Anflugverkehr blieben. Von allfälligen Verzögerungen wegen drohendem Nebel bei der Landung ganz zu schweigen.
Zu allem Überfluss konnten wir nur das Minimum an Treibstoff tanken, da wir sowohl bezüglich des strukturellen Startgewichts, als auch von der Startleistung her, hart am Limit waren. Dennoch konnten wir, nach Ausreizen aller Kniffs bei der Flugplanung und der Startberechnung, unsere Reise mit nur 15 Minuten Verspätung antreten.
Sao Paulo erreichten wir schliesslich mit 30 Minuten Verspätung. Dort jedoch war unsere Reise noch nicht zu Ende. Ich hatte nämlich mit dem zweiten Kopiloten abgemacht, den langen Aufenthalt für einen Abstecher zu den Iguaçu Fällen zu nutzen. So kam es, dass wir uns, statt nach der Landung mit dem Rest der Besatzung ins Hotel zu fahren, noch auf dem Flughafen in Zivilkleider stürzten. Für den Hopfensaft und das Filetto Aperitivo mussten wir uns mit dem Flughafenrestaurant begnügen, bevor wir, nach etwa vier Stunden, den Weiterflug nach Foz do Iguaçu antraten.
Im Hotel das Cataratas angekommen, waren wir bereits 36 Stunden auf den Beinen, was uns aber nicht davon abhielt die Fotoausrüstung anzuschnallen und an die Wasserfälle zu stürzen um den Sonnenuntergang zu Fotografieren.
Nach dem anschliessenden Nachtessen kollabierten zwei abgekämpfte Piloten völlig erschöpft in die Federn…
Nur knapp sieben Stunden später wurden wir gnadenlos aus den Träumen gerissen. Der Wecker verkündete es sei bald Sonnenaufgang und es hiess wieder die Kamera zu packen. Auf die Morgendusche konnten wir getrost verzichten, denn dafür sorgten, wie wir am Vortag erfahren mussten, die Wasserfälle auf völlig natürliche Art.
Wer denkt, wir hätten es danach gemütlich angehen lassen, verkennt unsere Fotomanie. Den Rest des Tages verbrachten wir nämlich auf der argentinischen Seite der Fälle. Dabei lautete der Drill wie Folgt: Kamera hoch. Knips. Zoom einstellen. Knips. Stativ aufstellen. Knips. Linsenwechsel. Knips. Positionswechsel. Knips…
Nach einer weiteren kurzen Nacht und der zweiten von den Wasserfällen gesponsorten Morgendusche, traten wir schliesslich ziemlich erschöpft den Rückflug nach Sao Paulo an, wo heute, nach nur einer Nacht Erholung von den erlittenen Strapazen, der Rückflug in die Schweiz ansteht…
Zum Glück verläuft nicht jede Rotation so streng, denn sonst wären in Kürze nicht nur unsere Fotokameras überstrapaziert, sondern auch wir Piloten wären bald nicht mehr Einsatzfähig…
5 Comments
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By Richi, 20. November 2009 @ 21:41
Wow!
Das nenne ich eine photographische Ausbeute!
Die Strapazen haben sich gelohnt.
Posterqualität – thanks for posting…
By skypointer, 21. November 2009 @ 11:56
Danke.
Die Strapazen kann wirklich ich jedem empfehlen. Hobbyknipser oder einfacher Tourist…
By nff, 23. November 2009 @ 14:42
…. WUNDERSCHÖN!
By Flo, 24. November 2009 @ 15:12
Was für abartig geniale Bilder – für mein späteres Pilotenleben werde ich mir wohl auch noch ein geeigntes Exemplar von Fotokamera zulegen müssen
By skypointer, 24. November 2009 @ 18:54
Merci
Spiegelrefelx muss es schon sein. Wenn es wie bei mir HDR sein soll, dann empfiehlt sich auch ein Stativ. Handlich ist das nicht, aber die Mühe lohnt sich…