Hafenkräne und steigende Meeresspiegel
Als ich mir vorgenommen habe über die seltsamen Dinge der grossen, weiten Welt zu schreiben, hätte ich niemals erwartet, dass das Universum des Unverständlichen direkt vor meiner Haustüre beginnt. Nicht oft, aber immer öfter, scheint jedoch gerade dies der Fall zu sein.
Noch bevor die Nachbeben des Minarettverbots abgeklungen sind, ist in Downtown Switzerland bereits die nächste Hochbauvorlage von der politischen Rechten versenkt worden.
Das visionäre Projekt, auf dem Zürcher Rathausplatz, am Limmatquai, einen Hafenkran zu bauen, wurde gestern vom Zürcher Gemeinderat, angeblich aus Budgetüberlegungen, gekippt. Im allgemeinen Katzenjammer um Volksrechte, Religionsfreiheit und Staatsräson war die Meldung allerdings, selbst im Lokalteil der Tageszeitungen, nur eine Randnotiz wert.

Besonders enttäuschend für mich war, dass die Medien die wahren Hintergründe dieses Entscheides und dessen Tragweite völlig verkannt haben. Gepaart mit etwas journalistischem Spürsinn, hätte das zur Zeit zweitwichtigste Thema im heimischen Blätterwald, die Klimakonferenz in Kopenhagen, eigentlich die richtigen Rückschlüsse erlauben müssen.
Endlich kam wieder einmal Revolutionäres statt Reaktionäres aus der Schweiz. Man begann sich pragmatisch auf die Veränderungen der Zukunft einzustellen, wollte Klimaerwärmung und steigende Meeresspiegel antizipieren. Die Linken gaben ihre unrealistischen, umweltschützerischen Vorstellungen auf und sahen die Unvermeidbarkeit der Klimaveränderung ein. Ja sie freundeten sich sogar regelrecht damit an: «Lasst das Meer nach Zürich kommen», rief ein grüner Politiker euphorisch in den Saal.
Leider verpasste die Rechte in ihrer Verbohrtheit die historische Chance Zürich, gemeinsam mit dem politischen Gegner, für die Zukunft zu rüsten. Während Dubai, Shanghai und Rotterdam, Treibhausgase sei dank, langsam aber sicher in den Fluten der Weltmeere versinken, wären wir mit unserem Hafenkran bereit gewesen in die entstandene Bresche zu springen. Der Aufstieg zum grössten Frachthafen der Welt wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen. Die Finanzkrise hätte uns nichts mehr anhaben können, da unsere Wirtschaft durch ein neues, starkes Standbein gestützt worden wäre.
Wegen der Kurzsichtigkeit der Zürcher Gemeinderäte wird aus all dem nun wohl nichts werden. Zu gross war die Angst, vom Ertrinken bedrohte Scheichs, Chinesen und Holländer könnten als Flüchtlinge oder Hafenarbeiter in die Schweiz kommen und fordern, dass Scharia, Feng Shui und Gouda eingeführt würden…
2 Comments
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By Tomy, 10. December 2009 @ 20:22
Wirklich schade. Vielleicht hätte bei der politischen Rechten das Argument gewirkt, dass die beste Armee der Welt unbedingt auch eine schlagkräftige Marine (inkl. Flugzeugträger)braucht. Somit hätte man den Hafenkran auch als ersten Schritt zu diesem Ziel sehen können. Das hätte besser gewirkt als die Argumentation “Kunst” IMHO.
Gruss, Tomy
By McBirdie, 12. December 2009 @ 10:37
Herrlicher Artikel, besonders der letzte Teil! Bitte weiter so =)
Gruß aus dem Hessenlande!