Volcanic Ash

Zurzeit ist Vulkanasche in aller Munde. Halb Europa steht am Boden, weil in Island der Vulkan mit unaussprechlichem Namen Eyjafjallajokull ausgebrochen ist.

Dem aviatischen Laien ist wahrscheinlich nicht klar weshalb ein simpler Aschenauswurf eine so drastische Massnahme wie die Schliessung des halben europäischen Luftraumes nötig macht. Die Antwort ist aber relativ einfach:

Vulkanasche und Flugzeuge sind inkompatibel!

Die Partikel in einer Aschewolke sind ca. 100 Mikrometer klein, extrem scharfkantig und statisch stark geladen. Da sie keine Feuchtigkeit enthalten, sind sie zudem auf dem Wetterradar unsichtbar.

 

Flugzeuge nehmen beim Durchfliegen von Aschewolken auf verschiedene Arten starken Schaden:

  • Die kleinen, scharfkantigen Partikel wirken wie ein Sandstrahlgebläse und dringen in alle Flugzeugsysteme ein. Scheiben werden zu Milchglas, völlig undurchsichtig. Zudem werden praktisch alle Flugzeugsysteme, wie Treibstoff, Öl, Hydraulik und Zapfluft, kontaminiert.
  • Die Asche verstopft die Sensoren. Geschwindigkeitsanzeigen fallen aus. Höhenanzeige und Druckmessung zur Triebwerksteuerung sind ungenau.
  • Die Asche schmilzt in den Triebwerken und lagert sich an der Turbine wieder an. Die Strömungsverhältnisse in den Triebwerken werden dadurch massiv verändert, was zu Schubverlust oder Triebwerksausfall führen kann.
  • Der Treibstoff wird statisch aufgeladen und lagert sich an den Wänden der Brennkammer an. Dadurch ist das Kerosin-Luft Gemisch nicht mehr zündfähig und die Triebwerke löschen ab.
  • Das gesamte Flugzeug wird statisch aufgeladen. Dadurch wird die elektromagnetische Strahlung abgeschirmt und der Funk hat eine massiv kürzere Reichweite oder fällt total aus.

Falls ein Flugzeug in eine Aschewolke gerät, ist die einzige Rettung eine unmittelbare 180° Kurve. Nur ausserhalb der Wolke besteht Hoffnung, dass die Triebwerke wieder gestartet werden können. Da die Ausmasse der Wolke den Piloten nicht bekannt ist, garantiert nur eine Umkehrkurve, dass das Flugzeug in nützlicher Frist wieder in klare Luft kommt.

Mir sind zwei Fälle bekannt, in denen Maschinen, die in Aschewolken einflogen, einen Totalausfall der Triebwerke erlitten:

1989 flog eine 3 Monate alte Boeing B747 der KLM in die Aschewolke des Mt. Redoubt in Alaska. Alle Triebwerke fielen zeitweise aus. Das 120 Mio. US$ teure Flugzeug wurde für 80 Mio. US$ repariert.

Im Juni 1982 flog eine British-Airways-Maschine auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Perth in die Aschewolke des indonesischen Vulkans Mount Galunggung (tragen eigentlich alle Vulkane unaussprechbare Namen?). Dabei traten so ziemlich alle oben erwähnten Effekte auf. Wer sich für diesen Flug interessiert (und des Englischen mächtig ist), dem empfehle ich den in einer Publikation der englischen Pilotenvereinigung erschienenen Bericht wärmstens:

Down to a sunless sea

6 Comments

  • By Tomy, 16. April 2010 @ 19:16

    Danke für’s veranschaulichen des Grundes, warum ich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht am Sonntagabend via LHR nach NRT fliegen kann…..

    Gruss,
    Tomy

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