Severe security breach

Die Schlagzeilen über Probleme an Sicherheitskontrollen von Flughäfen wollen in letzter Zeit nicht mehr enden. So konnte der Unterhosen-Bomber von Detroit ungehindert hochexplosiven Sprengstoff auf ein Flugzeug der Delta Airlines schmuggeln. Das beherzte Eingreifen eines Passagiers verhinderte zum Glück, dass die Hot Pants grössere Schäden anrichteten. Ausser am Allerwertesten des Terroristen natürlich…

Kurz danach erdreistete sich ein Reisender in München doch tatsächlich seinen Laptop mit auf seinen Flug zu nehmen. Die dadurch völlig überforderten Sicherheitsleute verpassten es in der Folge nicht nur den mutmasslichen Terroristen festzunehmen und nach Guantanamo zu überstellen, sondern vergassen darüber hinaus auch unverzüglich Bundespolizei, GSG 9, NTSB, Homeland Security, FBI, CIA, Navy SEALs, Fremdenlegion, Ueli Maurer, Barak Obama, Ban Ki Moon und den lieben Gott zu benachrichtigen.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich, von der Öffentlichkeit unbemerkt, gestern am Zürcher Flughafen. Zu meinem Leidwesen musste ich die Folgen dieser Sicherheitslücke am eigenen Leib spüren.

Die Geschichte, die wie ein schlechter Krimi tönt, begann eigentlich völlig unspektakulär mit einem Anruf der Crew Dispo. Mir wurde mein Boston Flug weggenommen und durch Bombay ersetzt. Weil ich also mit +32°C statt -6°C rechnen konnte, zog ich ein fabrikneues Kurzarmhemd zu meiner noch immer fast knitterfreien Uniform an und machte mich auf den Weg zur Arbeit.

Nach Planung, Kabinenbriefing und einem Schwatz mit Kollegen, begaben wir uns zur Sicherheitskontrolle. Da mein Laptop keine Sprengstoffspuren aufwies, in Koffer und Crewbag keine Waffen versteckt waren und ich es bei der Personenkontrolle tunlichst vermied an Metall zu denken, wurde ich ohne Beanstandung aufs Flugzeug gelassen.

Flugvorbereitung und Boarding verliefen zügig, so dass wir schliesslich einige Minuten zu früh starten konnten. Als ich im Steigflug die Winddaten in den Navigationsrechner stöpselte, ertönte der Summer der Cockpittüre. Der Kapitän kontrollierte kurz die Überwachungskamera und öffnete die Panzertüre. Während ich mich darauf konzentrierte nicht den Überblick über meinen Zahlensalat zu verlieren, sah ich am Rande meines Gesichtsfeldes schemenhaft, wie die Türe geöffnet wurde und jemand ins Cockpit trat.

Plötzlich spürte ich, wie sich eine Metallspitze in meine Kehle bohrte. Obwohl der Stich nicht sehr schmerzhaft war, realisierte ich sofort, dass ich mich in höchster Gefahr befand. Jetzt bloss keinen Fehler machen! Ruhig Blut bewahren, den Kopf nicht bewegen, niemanden durch abrupte Bewegungen gefährden und mal hören was die eben eingetretene Person für Forderungen stellt…

„Kann ich Euch einen Kaffee bringen?“ fragte jemand hinter mir. Ja was für ein Terrorist war denn das? Vorsichtig drehte ich den Kopf und erkannte zu meiner Erleichterung unser First Class Flight Attendant hinter mir. Aber wer stach mir denn nach wie vor mit diesem Metallteil in den Hals?

Behutsam löste ich meine Krawatte und tastete meinen Hemdkragen ab. Tatsächlich, da war was! Mit der rechten Hand brachte ich etwas Luft zwischen Metallspitze und Kehle, während ich mit der linken Hand, zitternd, eine Stecknadel aus meinem Kragen zog. Erleichtert sagte ich: „Sehr gerne. Espresso, schwarz und ohne Zucker.“

Danach fragte ich mich zum hundertsten Mal in meinem Leben, warum zum Teufel neue Hemden mit solch lebensgefährlichen Nadeln verpackt werden.

StecknadelAls ich das Corpus Delicti betrachtete, realisierte ich, welch grosser Gefahr wir gerade entronnen waren. Zwar wäre der Kapitän, falls ich am Stich in die Kehle verblutet wäre, zweifellos in der Lage gewesen das Flugzeug alleine zu landen – aber was könnte nicht alles geschehen, wenn eine so gefährliche Waffe in die falschen Hände gerät? Wenn zum Beispiel ein anonymer Selbstdarsteller auf einen dünnhäutigen Zeitgenossen trifft, der keine Sticheleien erträgt…

Natürlich müssen aus solchen Vorfällen Lehren und Konsequenzen gezogen werden. Ich fordere deshalb das unverzügliche Nachrüsten aller Nacktscanner, damit sie in Zukunft jede Stecknadel finden und eine Risikoprämie für Erstflüge in neuen Uniformhemden.

A380 in KLO

Heute ist er in KLO gelandet und Tausende haben ihn begrüsst. Auf dem Parkplatz beim Threshold der Piste 16 herrschte Ausnahmezustand und auch beim offiziellen Publikumsanlass strömten die Massen herbei um den Giganten der Lüfte willkommen zu heissen.

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Jeder versuchte sich in eine optimale Position zu bringen, um den Megajet abzulichten. Ob mit eingeschränktem Blickfeld oder totalem Überblick, alle waren vom Koloss begeistert…

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Nur die geplagten Don Quijotes der Südschneise finden den A380 in KLO fürs Klo und ziehen wagemutig in den Kampf gegen den mit vier grossen Windmühlen ausgerüsteten Leviathan. Zwar haben sie im Vorfeld den grossen Medienrummel völlig verschlafen, aber wer kann es ihnen verdenken, sind doch die modernen Jets mittlerweile so leise…

 

Deshalb haben die Mitglieder des VFSN heute Morgen vorgesorgt und liessen sich pünktlich um 6 Uhr in der Früh von ihrem Radiowecker aus den Träumen reissen, damit sie drei Minuten später auch bereit waren um sich über den unerhörten Lärm der ersten anfliegenden Höllenmaschine zu empören.

 

Danach wurde, während die Kinder noch schliefen und von Flugzeugen träumten, die Zeit genutzt um eine hirnrissige Presseerklärung zu verfassen:

 

Die Fans am Pistenrand mögen entzückt sein. Ein 24 Meter hohes Flugzeug mit einer Spannweite von 80 Metern, 150 Meter über den Dächern von Schwamendingen – Was der Flughafen hier der Bevölkerung erneut zumutet, ist besorgniserregend!

Der VFSN nimmt zur Kenntnis, dass ab März das Grossraumflugzeug A380 der Singapore-Airlines den Flughafen Kloten täglich morgens anfliegen wird. Zu grosser Besorgnis Anlass gibt die Tatsache, dass künftig ein überdimensioniertes, wenig erprobtes Flugzeug zumindest an Wochenenden und Feiertagen im Tiefflug über das am dichtesten besiedelte Gebiet der Schweiz im Süden des Flughafens zur Landung ansetzen wird. Wir erinnern daran, dass sich Flugzeugabstürze am häufigsten bei Landeanflügen ereignen. Die Piloten der Singapore-Airlines haben zudem in der Vergangenheit bei der Bevölkerung im Süden einen zwiespältigen, nicht besonders versierten Eindruck hinterlassen. Regelmässig befanden sie, auch bei absolut besten Bedingungen, abends die Ostpiste als zu kurz und verlangten eine Sondererlaubnis um über den Süden landen zu können. Wir hoffen, dass sie mit dem Handling des neuen Riesenvogels nicht überfordert sind. 

 

Die Experten des Quengelns sind also besorgt, weil die A380 offenbar wenig erprobt ist. Dabei scheint ihnen entgangen, dass der Erstflug dieses Typs am 27. April 2005, also vor fast fünf (!) Jahren stattfand. Seit dem 25. Oktober 2007 werden kommerzielle Passagierflüge durchgeführt, mittlerweile mit 25 Maschinen.

 

Nachfolgend ein Film über die nicht durchgeführte Erprobung:

Gemäss Presseerklärung haben die mutigen Kämpfer gegen Südanflüge zudem Angst davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Dass die A380 heute über Schwamendingen anflog, müssen die Schneiser zwar geträumt haben und worin genau der Unterschied liegt, ob ihnen eine A380 oder eine Boeing 777 aufs Dach fällt, entgeht meiner Logik, dafür habe ich grosses Verständnis für die Forderung allfällige Abstürze sollen in Bülach statt Gockhausen stattfinden. Schliesslich haben die Einwohner im Norden nicht nur weniger Kohle und damit auch weniger Rechte, sondern ihr Leben ist ganz allgemein weniger wichtig…

 

Heiliger St. Florian beschütze unsere Häuser! Zünde lieber andere an.

 

Zudem sind Anflüge im Norden schon deshalb viel sicherer, weil dort keine um die Flugsicherheit besorgte Schneiser Ballone steigen lassen und keine hirnamputierten Fluglärmgegner versuchen Abstürze zu verhindern, indem sie den Piloten mit Laserpointern und Blendscheinwerfern den Weg weisen…

 

Aber vielleicht freuen sich die Piloten auch über die Hilfe vom Boden, denn sie sind ja nicht besonders versiert. Vor allem nicht jene aus Singapore. Aus völligem Mangel an Professionalität weigerten sich diese offenbar ihre Boeing 777 auf die mit 2500 Metern viel zu kurze Piste 28 zu würgen und verlangten statt dessen eine längere Piste. Weil die Piste 28, dank dem Widerstand der Flughafengegner, wohl nie verlängert wird, entschloss sich der Controller offenbar die Singapore Maschine, statt sie bis zum St. Nimmerleinstag warten oder abstürzen zu lassen, auf die Piste 34 zu lotsen. Was für ein Skandal! So viel Sicherheitsbewusstsein kann der mit dem Handling seiner Riesenmeise völlig überforderte Verstand eines Schneiser-Experten natürlich nicht fassen!

 

Abschliessend wage ich es noch die Frage aufzuwerfen, ob die Flugplatzgegner es wohl auch schaffen würden ihre Klientel an einem kalten, nebligen Mittwoch Morgen in aller Herrgottsfrühe zu Tausenden zu mobilisieren, um an den Flughafen zu pilgern…

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Er kommt. Freude herrscht.

Er kommt. Der grösste Passagierflieger der Welt. Er kommt hier in die Provinz. Er kommt zu uns. Er kommt nach Zürich. Freude herrscht.

Disclaimer:

Bevor jemand weiter liest, muss er wissen, dass der Schreibende ein kleingeistiger, neidischer, verbitterter und von Minderwertigkeitskomplexen geplagter A340 Pilot ist. Nach dem Aussterben der Jumbo Jets hier in Downtown Switzerland waren die A340 Kutscher die „Big Kids on the Block“. Das ist nun vorbei. Alles hier geschriebene ist deshalb subjektiv, tendenziös, lausig recherchiert und politisch gefärbt. Mit anderen Worten nicht besser als ein Zeitungsartikel. Wer’s trotzdem liest, tut es auf eigene Verantwortung.

Er kommt. Welch Balsam für das geschundene Schweizer Selbstverständnis! Trotz Bankenkrise, Minarettverbot, Bananenrepublik und unfähigem Bundesrat kommt er zu uns und nicht zu Qadhafi. Freude herrscht.

Er kommt und alle sind begeistert. Flughafen, Passagiere, Presse, Fliegerfans, Gaffer und sogar die armen, geplagten Kreuzritter aus der Südschneise. Auf deren Homepage (diesen Link müsst Ihr schon selber suchen) steht der Beitrag des Tagesanzeigers über die Aufnahme des Linienbetriebes der Singapore Airlines mit der A380 neben dem Beitrag über immer mehr deutsche Piloten in den Swiss Cockpits. Offenbar fanden die Schneiser endlich den Blick fürs Wesentliche. Freude herrscht.

Wie auch immer. Er kommt und alle freuen sich. Vor allem die Passagiere. 471 haben Platz. Gut doppelt so viele wie in einer A340. Sie können sich auf ein ganz besonderes Erlebnis freuen. Gemäss Strömungslehre kann die doppelte Menge nur in der gleichen Zeit durch eine gegebene Anzahl Öffnungen in ein Gefäss fliessen, wenn die Geschwindigkeit verdoppelt oder die Masse komprimiert wird. Beides ist zwar für die Passagiere mit gewissen Komforteinbussen verbunden, aber die Alternative wäre eine doppelt so lange Abfüllzeit. Also bitte Helm und Ellbogenschoner montieren oder eine Stunde früher einchecken. Freude herrscht.

Natürlich gelten die Gesetze der Strömungslehre nur für reibungsfreie Medien. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass bei knapp 500 Passagieren alles reibungslos abläuft. Doppelt so viele Passagiere, welche nicht aufkreuzen und deren Gepäck deshalb gesucht und ausgeladen werden muss. Doppelt so viele verspätete Anschlusspassagiere, auf die noch gewartet werden muss. Doppelt so viele Spezialwünsche, doppelt so viele Problemfälle. Doppelt so viele unruly Pax und doppelt so viele medizinische Notfälle an Bord. Doppelt so viele Verspätungen mit doppelt so vielen Passagieren ergibt viermal so viel verpasste Anschlüsse. Freude herrscht.

Aber selbst ein Miesepeter muss die Fortschritte anerkennen. 20% weniger Treibstoffverbrauch pro Passagier. Oder anders ausgedrückt: Doppelte Transportkapazität bei nur 60% höherem Treibstoffverbrauch. Freude herrscht.

Vor allem wenn die Kiste voll ist. Halbvoll ist der Verbrauch allerdings etwa 30% schlechter aus, als bei einer mit gleich vielen Passagieren voll beladenen A340. Mit Statistiken lässt sich eben alles beweisen. Gesucht werden also ab dem 28. März täglich knapp 200 zusätzliche Leute, die nach Singapore fliegen. Sonst steht es schlecht um die Ökobilanz unseres neuen Lieblingsgiganten.

Save the planet!

Deshalb hier der dringende Aufruf an alle Schweizer:

Bitte in Zukunft Ferien ausschliesslich in Singapore verbringen.

Die Umwelt und Singapore Airlines bedanken sich.

Unruly PAX

Manchmal haben unsere Sponsoren nicht nur ein Brett vor dem Kopf, sondern, was auf einem Flug nach China wiederum nicht sonderlich erstaunen sollte, eine ganze chinesische Mauer.

Genau. Zur Zeit und zur Abwechslung sitze ich wieder einmal in Shanghai. Diesmal starteten wir in Zürich aber bereits mit einer Stunde Verspätung, da wir auf knapp 20 Passagiere eines Anschlussfluges warten mussten.

In solchen Fällen ist es immer spannend, wenn man aus dem Cockpit dem Treiben der verspäteten Passagiere zuschauen kann. Da gibt es jene, die von der Angst, den Flug doch noch zu verpassen, getrieben, schweisstriefend den Jetty herunter hetzen. Natürlich ist uns diese Gruppe die liebste. Nicht weil sie während des Fluges besonders gut riecht, aber sie strengen sich redlich an den Schaden für die Wartenden möglichst klein zu halten.

Leider werden diese Bemühungen meist von der zweiten, weniger bemühten, dafür wesentlich bemühenderen Gruppe zunichte gemacht. Diese Leute sind es offensichtlich gewohnt, dass die ganze Welt nur auf sie wartet und schlendern betont langsam Richtung Flugzeug. Von nichts und niemandem lassen sie sich aus der Ruhe bringen und wer glaubt, diese Zeitgenossen zeigten sich wenigstens ein Bisschen dankbar, dass man auf sie gewartet hat, der täuscht sich gewaltig.

Mit zwei Vertreterinnen dieser unsympathischen Spezies hatte ich Gestern zu Beginn allerdings beinahe Mitleid. Zwei wohlbeleibte Damen wälzten sich im Schneckentempo durch den Passagierabfüllstutzen und ich konnte ihnen, angesichts ihres Leibesumfanges, die mangelnde Eile nicht einmal verübeln. Bald sollte sich aber herausstellen, dass an den beiden das einzig gemütliche ihr Tempo war.

Kurz nachdem wir unsere Reiseflughöhe erreicht hatten, tauchten diese Economy Passagierinnen nämlich in der Business Class auf und begannen sich dort häuslich einzurichten. Auf die Frage, was sie genau im Schilde führten, wurde unserem Flight Attendant mitgeteilt, dass es in der Eco Klasse viel zu eng sei und dass sie deshalb den Rest des Fluges in den geräumigen C-Class Sitzen verbringen würden. Von einer allfälligen Kostenpflicht eines solchen Vorhabens wollten die beiden Früchtchen natürlich nichts wissen, worauf sie die bequemen Sessel, unter Protest, wieder Richtung Holzklasse verlassen mussten.

Bald darauf bemerkte ein F/A, dass sich die Ladies eine andere Lösung für ihr Platzproblem hatten einfallen lassen. Während die eine sich quer über zwei Sitze räkelte, hatte die andere ihre Ruhestatt auf dem Boden zwischen den Sitzreihen aufgeschlagen. Dem Hinweis, dass dies aus Sicherheitsgründen verboten sei, wurde zwar knurrend Folge geleistet, als das F/A aber das nächste Mal bei den beengten Damen vorbei kam, befanden sie sich wieder in der gleichen Stellung.

Damit stand einem munteren Katz und Maus Spiel, das allerdings keinem der beteiligten so richtig Spass machte, nichts mehr im Wege und schliesslich gipfelte das Ganze in einer tätlichen Bedrohung unserer Maître Cabine. An diesem Punkt wurden auch wir im Cockpit ins Geschehen involviert.

Leider wurde mein Angebot, die beiden Ladies mit der Feueraxt ruhig zu stellen, dankend abgelehnt und auch mein Vorschlag sie bei einer Zwischenlandung mitten in Kazakhstan, bei minus 30°C, kurzerhand aus dem Flugzeug zu werfen, wurde nicht wirklich ernst genommen. Statt dessen liess man es bei einer schriftlichen Verwarnung mit Androhung von polizeilichen Konsequenzen bewenden. Offenbar hat aber diese Massnahme die gewünschte Wirkung entfaltet und die Damen haben sich danach vor Freundlichkeit geradezu überschlagen.

Trotzdem finde ich es schade, dass es mir vergönnt blieb die Gesichter der beiden zu sehen, wenn sie in Atyrau, Aktjubinsk oder Astana erfahren hätten, dass ihre Reise hier zu Ende sei…

Platt gemacht

Hier in Shanghai wird zur Zeit alles platt gemacht. Ganze Quartiere fallen der Abrissbirne zum Opfer. Die betroffene Bevölkerung wird kurzerhand umgesiedelt. Rücksicht wird dabei auf nichts und niemand genommen.

Selbst historischen Bauwerken ergeht es nicht besser. Aus alt mach neu lautet das Motto. Neu bauen geht schliesslich einfacher als renovieren. So werden auch ganze Tempelanlagen platt zerstört und in Disneyland Manier makel- und seelenlos wieder aufgestellt. Dabei wird selbst vor den Göttern nicht halt gemacht. In Ungnade gefallene Gottheiten werden kurzerhand entsorgt und durch modernere, beliebtere, genehmere oder fähigere ersetzt.

Die Chinesen sind da ganz pragmatisch und wir sollten uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Als Monotheisten könnten wir statt Götter unsere Manager und Politiker entsorgen!

Da ich als rückständiger, verknöcherter und uncooler Traditionalist das Original der Kopie jederzeit vorziehe, besuchte ich gestern einen der wenigen übrig gebliebenen alten Tempel. Lónghuá Sì. Obwohl dieser mit Taxi oder Metro bequem zu erreichen wäre, beschloss ich den Weg per Pedes zu erforschen.

Mit Stadtplan, Mütze und Handschuhen kämpfte ich mich so lange durch Strassen, Gassen und Baustellen, bis auch meine Füsse platt waren. Insgesamt brachte ich es auf knapp vier Stunden Fussmarsch – Tempelbesuch nicht eingerechnet. Was für Götter ich gesehen habe weis ich nicht mehr so genau, das spielt aber keine Rolle, da bis zu meinem nächsten Besuch wohl trotz martialischem Gehabe andere den Laden übernehmen werden…

Gott1 Gott2

Longhua Ta Longhua Ta 2

Am Abend ging es dann, welch Wunder, wieder in ein chinesisches Restaurant. Unter Führung unseres Bekannten war diesmal aber weniger scharf, dafür statt Schikimiki so richtig einheimisch angesagt. Es gab Hühnerfüsse, Qualle, Kröte und undefinierbares. Desinfiziert wurde alles mit als Reiswein getarntem Schnaps…

 Hühnerfüsse Qualle

Shanghaied

Zum Jahresanfang wurde ich strafversetzt. Eine Woche Shanghai. Shanghaied eben. Entgegen der Beschreibung von Wikipedia, wurde ich aber nicht in einer Hafenkneipe aufgegriffen und nein, auch nicht in einem Bordell. Die Pressgang des 18. Jahrhunderts wurde nämlich mittlerweile automatisiert und in Preferential Bidding System oder eben Planungsroulette umgetauft. Diese Euphemismen tönten zwar zivilisierter, setzen aber dem zivilisierten Leben genauso brutal ein Ende.

Deshalb sitze ich also in Shanghai. Die Stadt meint es wahrlich nicht gut mit mir. Letzten Sommer wurde ich hier mit 40° C und gut doppelt so hoher Luftfeuchtigkeit dampfgegart und jetzt werde ich bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt schockgefroren.

Auch mit dem Chinesischen Essen habe ich ab und zu meine Mühe. Zwar wurde ich bisher von Delikatessen wie Rinderbandwürmern und ähnlichem verschont, aber die Köche lieferten schon mehrmals mehr Chilischoten als Fleisch, was selbst für meine abgebrühten Geschmacksnerven zu viel des Guten ist. Deshalb lehnten wir gestern die erste Empfehlung des Concierge dankend ab und verlangten explizit nach etwas weniger scharfem. Die Küche des Restaurants, das er uns schliesslich ans Herz legte, beschrieb er als „Shanghai Style, süss statt scharf“. Tatsächlich fand sich dann auf meinem Teller keine Spur von Chili…

Chili

Als der Schmerz im Mund langsam verebbte, erhielt der Kapitän via SMS eine Einladung von einem in Shanghai arbeitenden Schweizer: Er sei gerade auf dem Weg ins KTV und wir sollen doch auch noch kommen. Nach mehreren klärenden Nachfragen machten sich zwei Greenhörner auf den Weg ins besagte KTV – mitten im Nirgendwo, wo offenbar gesungen, gespielt und herumgealbert wurde.

Das erste mal gestaunt haben wir, als uns am Zielort in einer mit üppigen Plüschsesseln bestückten Lobby, der Zutritt verweigert wurde. Mehrere Telefonate später wurde uns dann doch noch Einlass gewährt und wir wurden in eine VIP Lounge geführt, wo wir von zwei Landsleuten und einem Chinesischen Geschäftsmann in empfangen wurden. Die drei hatten gerade ein Geschäft besiegelt und waren dies typisch asiatisch am feiern.

Die Lounge war mit einem Karaoke Soundsystem und diversen Damen bestückt. Ich war froh, dass wir bereits shanghaied waren, denn dieses  KTV entsprach recht genau den offenbar auch von Pressgangs bevorzugten Etablissements…

Honi soit qui mal y pense. Wir haben gesungen, herumgealbert und in bester chinesischer Tradition gewürfelt. Das Wichtigste war schnell gelernt: Gewürfelt wurde mit Bechern und der Verlierer musste bechern…

Overdose of Christmas

Kurz vor Weihnachten nach Asien. Dem Adventstress entfliehen. Irgend wohin, wo Weihnachten keine Rolle spielt. Der Plan tönte gut. Als mich allerdings in der Ankuftshalle des Hong Kong Airport das gleiche zuckersüsse Hintergrundgedudel empfing, das mir schon in den Einkaufszentren zu Hause auf den Wecker ging, wurde mir schlagartig klar, dass mein schöner Plan spektakulär gescheitert war.

Als ich während der Fahrt ins Hotel die Skyline von Hong Kong erblickte, winkten mir von den normalerweise schon hell beleuchteten Fassaden, masslos grelle Schneemänner, fröhlich grinsende Santas und bunt geschmückte Tannenbäume zu, als wollten sie sich über mein naives Vorhaben lustig machen.

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Am nächsten Tag wurde mir vor lauter Jingle Bells, Let it sow und Santa is coming to town beinahe schwindlig. Selbst beim Inder hingen weihnachtliche Girlanden über dem Tresen und zu einem Chinesen traute ich mich gar nicht, denn mir war endlich klar geworden, dass nur die Chinesen den Kitsch noch mehr lieben, als die Amerikaner.

In unserer Verzweiflung flohen wir nach Wan Chai. Im Wissen, dass im Amazonia jeden Abend die hervorragende Liveband Ice Box die Bude rockt, waren wir sicher, dass uns dort niemand mit Weihnachtsliedern belästigen würde. Diesmal funktionierte der Plan perfekt und die präzisen Gitarrenriffs waren Balsam für meine geschundene Seele.

Wer so schön Vollgas gibt wie Ice Box, muss auch mal eine Pause einlegen. Als es so weit war, beschlossen wir einer anderen Bar eine Chance zu geben. Im kürzlich als „Escape“ wieder eröffneten Fenwick spielte zwar auch eine Liveband, die konnte aber Ice Box nicht einmal das Wasser reichen. Dafür war die Aussicht auf die Damenwelt eindeutig besser.

So standen wir mitten in der Nacht vor der schwierigen Entscheidung, ob wir lieber guten Rock hören oder schöne Röcke sehen wollten. Nach reichlicher Überlegung und zwei Bier entschieden wir uns für den Rock – den zum hören. Bereut haben wir es nicht…

Midair Collision

Die schier grenzenlose Zunahme des Flugverkehrs hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass der Luftraum immer enger wurde. Der Fehler eines Fluglotsen oder ein unaufmerksamer Pilot können deshalb bereits zu gefährlichen Situationen führen. Um der Gefahr einer Kollision in der Luft zu begegnen, wurden einerseits technische Lösungen, wie das ACAS (Aircraft Collision Avoidance System) entwickelt, andererseits hat man auch in der Prävention nichts unversucht gelassen:

Birds

Trotzdem überrascht es nicht, dass sich heute, noch unbestätigten Meldungen zufolge, im am dichtesten beflogenen Luftraum der Welt, mitten in der vorweihnachtlichen Verkehrsspitze, wieder ein Zusammenstoss ereignete:

Offenbar stiess ein in La Guardia gestarteter Jet auf gut 4000 Fuss und bei besten Sichtverhältnissen, mit einem bislang noch nicht identifizierten Kleinflugzeug zusammen. Der Jet trug dabei glücklicherweise keine grösseren Schäden davon und konnte auf eine Notwasserung im Hudson verzichten. Nach der erfolgreichen Rückkehr nach La Guardia, konnten alle Passagiere das Flugzeug unverletzt verlassen.

Wie bei solchen Vorfällen üblich, brodelt nun wieder die Gerüchteküche. Auf einer lokalen Fernsehstation äusserte der selbst ernannte Aviatikexperte Joe Moss die Vermutung, die Piloten wären, statt nach anderem Verkehr Ausschau zu halten, mit ihren Laptops beschäftigt gewesen. Die Analogie zum Vorfall, als kürzlich ein Northwest Flugzeug den Zielflugplatz um gut 150 Meilen verpasst hatte, wurde danach ausführlich  breitgewalzt. Joe Moss missbrauchte dabei seinen Auftritt, um eine seiner berühmten Hasstiraden über die arroganten und überbezahlten Langstreckenpiloten vom Stapel zu lassen.

Ein anderer Sender zerrte eine sichtlich verwirrte und unter Schock stehende Passagierin vor die Kamera und entlockte der armen Frau den folgenden Satz: “Oh, it was just a horrible mess! Santa and most of his rain deer were sucked into the engines!”

Natürlich habe ich herzhaft gelacht, als ich feststellte, dass ich unbemerkt auf den „National Enquirer Channel“ gezappt hatte. Die Bilder, die dann folgten, waren nicht weniger merkwürdig:

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Über der vermuteten Absturzstelle des Kleinflugzeugs kreisen nun natürlich unzählige News-Helikopter. Bisher aber wurde kein Wrack gefunden.

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Trotzdem wird nun in New York auf allem Kanälen heftig darüber diskutiert, ob jetzt Weihnachten dieses Jahr ausfallen werde. Ohne Santa keine Geschenke und ohne Geschenke keine Weihnachten, lautet der Tenor. Genau so stehe es schliesslich auch im neuen Testament, der Tora, dem Koran und in Macy’s Geschenkkatalog!

Wieder einmal habe ich das Unwissen der Amis völlig unterschätzt. Die haben offenbar noch immer nicht begriffen worum es bei Weihnachten geht und dass das Christkind für Santa den Karren (oder Schlitten) schon aus dem Dreck ziehen wird.

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Leise rieselt der Schnee

 

Leise rieselt der Schnee

Bald geht es nach Übersee

Die Flügel, die glänzen vom Frost

Verspätung, gross ist der Frust!

 

Das Deicing läuft total lahm

Rutschig ist die Startbahn

Beim Take-off sind wir auf der Hut

Unterwegs läuft alles ganz gut.

 

Bald ist der Zielflugplatz da

Das Christmas Shopping ganz nah

Der Advents-Kommerz lässt mich kalt

Freue Dich, der Rückflug kommt bald.

 

Hafenkräne und steigende Meeresspiegel

Als ich mir vorgenommen habe über die seltsamen Dinge der grossen, weiten Welt zu schreiben, hätte ich niemals erwartet, dass das Universum des Unverständlichen direkt vor meiner Haustüre beginnt. Nicht oft, aber immer öfter, scheint jedoch gerade dies der Fall zu sein.

Noch bevor die Nachbeben des Minarettverbots abgeklungen sind, ist in Downtown Switzerland bereits die nächste Hochbauvorlage von der politischen Rechten versenkt worden.

Das visionäre Projekt, auf dem Zürcher Rathausplatz, am Limmatquai, einen Hafenkran zu bauen, wurde gestern vom Zürcher Gemeinderat, angeblich aus Budgetüberlegungen, gekippt. Im allgemeinen Katzenjammer um Volksrechte, Religionsfreiheit und Staatsräson war die Meldung allerdings, selbst im Lokalteil der Tageszeitungen, nur eine Randnotiz wert.

Hafenkran

Besonders enttäuschend für mich war, dass die Medien die wahren Hintergründe dieses Entscheides und dessen Tragweite völlig verkannt haben. Gepaart mit etwas journalistischem Spürsinn, hätte das zur Zeit zweitwichtigste Thema im heimischen Blätterwald, die Klimakonferenz in Kopenhagen, eigentlich die richtigen Rückschlüsse erlauben müssen.

Endlich kam wieder einmal Revolutionäres statt Reaktionäres aus der Schweiz. Man begann sich pragmatisch auf die Veränderungen der Zukunft einzustellen, wollte Klimaerwärmung und steigende Meeresspiegel antizipieren. Die Linken gaben ihre unrealistischen, umweltschützerischen Vorstellungen auf und sahen die Unvermeidbarkeit der Klimaveränderung ein. Ja sie freundeten sich sogar regelrecht damit an: «Lasst das Meer nach Zürich kommen», rief ein grüner Politiker euphorisch in den Saal.

Leider verpasste die Rechte in ihrer Verbohrtheit die historische Chance Zürich, gemeinsam mit dem politischen Gegner, für die Zukunft zu rüsten. Während Dubai, Shanghai und Rotterdam, Treibhausgase sei dank, langsam aber sicher in den Fluten der Weltmeere versinken, wären wir mit unserem Hafenkran bereit gewesen in die entstandene Bresche zu springen. Der Aufstieg zum grössten Frachthafen der Welt wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen. Die Finanzkrise hätte uns nichts mehr anhaben können, da unsere Wirtschaft durch ein neues, starkes Standbein gestützt worden wäre.

Wegen der Kurzsichtigkeit der Zürcher Gemeinderäte wird aus all dem nun wohl nichts werden. Zu gross war die Angst, vom Ertrinken bedrohte Scheichs, Chinesen und Holländer könnten als Flüchtlinge oder Hafenarbeiter in die Schweiz kommen und fordern, dass Scharia, Feng Shui und Gouda eingeführt würden…

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